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Bürgerschaftliches Engagement

Kaum ein Thema hat die Politik, die Öffentlichkeit und die Wissenschaften in den letzten Jahren so bewegt wie die facettenreichen Konzepte von bürgerschaftlichem Engagement und Zivilgesellschaft. Diese Konjunktur, in Deutschland wie international, hat zwar mehrere Ursachen, ist aber vor allem auf aktuelle Gesellschaftsentwicklungen zurückzuführen: zunehmende Individualisierung, soziale Desintegration, Verlust sozialer Bindungen, geringer werdendes Interesse an Politik und das Schwinden der Leistungsfähigkeit traditioneller Sozialsysteme. Selbst die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise wird mit dem Engagement in Verbindung gebracht. Noch ist unklar, ob die Menschen durch die Auswirkungen stärker zusammenrücken oder sich eher um die eigenen Dinge kümmern werden.



Der Hintergrund der gestiegenen Aufmerksamkeit besteht in einem Paradigmenwechsel.     
Lange Zeit setzte man nur einseitig auf die Kräfte von Markt oder Staat und maß dem Engagement der Bürgerinnen und Bürger inner- und außerhalb zivilgesellschaftlicher Organisationen keine oder lediglich geringe Bedeutung bei. Angesichts der heute allein in Deutschland bestehenden rund 600.000 eingetragenen Vereine, der über 16.000 Stiftungen, der zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen in anderen Rechtsformen und des Engagements, das in weniger formalisierten Projekten, nachbarschaftlichen Initiativen oder auch darüber hinausgehend erfolgt, hat sich dies grundlegend verändert: Die Bereitschaft der Bürger zur Selbstorganisation und ihr finanzieller wie nicht-materieller Beitrag (Zeit, Energie, Ideen) für gemeinschaftliche und gesellschaftliche Belange werden als Ausdruck einer vitalen Zivilgesellschaft und als Grundlage für das Funktionieren einer modernen Gesellschaft angesehen. Potenziale sieht man vor allem in den demokratisierenden und sozial integrativen Funktionen sowie in den Beiträgen zur Wohlfahrtsproduktion bzw. zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur und zur Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten.
Sie ist deshalb besonders wichtig, weil das bürgerschaftliche Engagement sich durch eine starke Heterogenität und eine hohe Dynamik auszeichnet.

Heterogen ist das bürgerschaftliche Engagement insofern, als es in allen gesellschaftlichen Bereichen – vom Sport über den sozialen Bereich, Bildung, Religion bis zu Gesundheit, Umwelt oder Familie – in unterschiedlichen Facetten zu finden ist. Dynamisch ist es,da es sich ständig in Bewegung, Veränderung und Entwicklung befindet. Dies spiegelt sich u.a. in dem unterschiedlichen Zuspruch wider, den einzelne Engagementfelder erhalten:

Während manche Bereiche wie Freizeit und Kultur eine starke Kontinuität im bürgerschaftlichen Engagement aufweisen, haben andere Bereiche, z.B. die Umwelt, in manchen Zeiten Konjunkturen erfahren und sind heute nicht mehr so gefragt. Stattdessen zeichnen sich verstärkter Zuspruch, Aufwärtstrends und neue Wachstumsfelder des Engagements dort ab, wo besondere gesellschaftliche Problemlagen vorhanden und innovative Lösungen erforderlich sind.

Neben den bereichsbezogenen Veränderungen vollziehen sich bestimmte Entwicklungen der Engagementformen. Engagement wird einerseits häufig in seiner Verantwortung, der erforderlichen Regelmäßigkeit und Qualifikation der Erwerbsarbeit immer ähnlicher; andererseits wird es durch die Präferenz auf zeitlich begrenzte Aktivitäten und Projektbezogenheit immer weniger verlässlich und beständig. Darüber hinaus ist mit Veränderungen von Engagementformen auch der organisationale Kontext angesprochen. Zu klären ist dabei, inwiefern sich informelle Tätigkeiten von jenen des Engagements abgrenzen und inwieweit die Grenzen zwischen dem formellen und informellen Bereich verwischt werden.

Mit Beginn des Sommersemesters 2016 ist die FWA offizieller Kooperationspartner der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen. Am 07.03.2016 wurde der Auftakt der Kooperation zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements in der Uni Göttingen offiziell auf einer Pressekonferenz im Haus des Sports besiegelt.

V.l.n.r.: Jens Hubert (FWA), Andreas Gruber (1. Vorsitzender SSB), Prof. Dr. Steffen Kühnel (Dekan Sozialwissenschaftliche Fakultät) und Rouven Keller (Büro Prof. Kühnel).

 

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